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Andacht zum 4. Dezember, 2. Advent 2022
Pfr. Jörg Reichmann, 4.12.2022

Text: Sprüche Salomos 14,2
Wer den HERRN fürchtet, der wandelt auf rechter Bahn.

Jesus Christus spricht: Der Wille dessen, der MICH gesandt hat, ist, dass ICH von all denen, die ER MIR gegeben hat, niemand verloren gehen lasse, sondern dass ICH sie an jenem letzten Tag vom Tod auferwecke. (Neue Genfer Übersetzung)

Gedanken zum Text:
"Entschuldigen Sie mal, Herr Pfarrer", denken vielleicht viele von Ihnen, wenn sie diesen Bibelspruch lesen. "Wir erwarten doch von Ihnen einen Zuspruch in dieser schwierigen Zeit. Sollen wir uns jetzt nicht mehr nur vor der Zukunft fürchten, sondern auch noch vor Gott - die "Gottesfurcht" also wieder aus der Mottenkiste holen? Hatte die nicht bereits Martin Luther erfolgreich abgeschafft? Gottvertrauen, ja das ist mitunter hilfreich im täglichen Leben. Aber Gottesfurcht?" So viele Fragen auf einmal, denke ich und versuche eine Antwort: Von "Abschaffen der Gottesfurcht" kann bei Luther keine Rede sein. Was er im intensiven Studium der Heiligen Schrift herausfand: Wer Gott als gnadenlosen, launischen Tyrannen zeichnet, der jedes kleinste "Vergehen" drastisch bestraft und seine Anhänger zu willenlosem Gehorsam zwingt, der hat seine Weisheit nicht aus der Bibel oder missversteht sie völlig. Das hat eine sprachliche Ursache. In der Ursprache bedeutet "fürchten" viel mehr als nur "Angst haben", sondern auch "Ehrfurcht haben", der Autorität des anderen höchsten Respekt zollen und sich der eigenen Bescheidenheit dem Gegenüber bewusst sein. Sie haben allerdings recht: So redet heute niemand mehr. Da heißt es "auf Augenhöhe begegnen". Aber Sie werden mir zustimmen: Das geht doch mit Gott nicht! Dazu müsste man schon größenwahnsinnig sein wie die Frau des Fischers im Märchen oder Herodes in der Bibel oder Kim Jong Un in der Gegenwart oder Donald im zweiten Versuch oder Wladimir P. (Bitte ergänzen Sie diese Liste aus Ihren eigenen Erfahrungen, denn "Möchtegern - Götter" gibt es auch reichlich im "Kleinformat".) Allen gemeinsam ist: Irgendwann fliegen sie im hohen Bogen aus der Bahn und es bleibt nichts als der Scherbenhaufen ihrer kleinen oder großen Macht. Das ist die Erfahrung aus der Menschheitsgeschichte, die ken Mini - oder Maxi - Diktator je wahrhaben will. Ehrfurcht vor Gott zu haben hat also nichts mit Angst vor IHM zu tun, sondern schärft den Blick für die eigenen Möglichkeiten und vor allem Grenzen, mahnt zur Bescheidenheit und Einsicht, dass wir Gottes Wort als Orientierung für unser Leben dringend brauchen. Uns darauf zu besinnen und andere dazu einzuladen, das ist nicht nur im Advent unsere Aufgabe als Gemeinden und Christen - aber in dieser Zeit in ganz besonderer Weise.

Gedanken zum Bild:
Ein Kaminfeuer in diesen nasskalten Tagen tut dem Körper und der Seele gut. Die Wärme belebt uns und der Schein der Flammen verwandelt unsere Umgebung mit seinem besonderen Licht. Im Advent trifft diese Erfahrung auf unsere besondere Stimmung, unsere Sehnsucht nach wärmender Herzlichkeit unter den Menschen statt spaltender Kaltschnäuzigkeit im Zusammenleben. Denn im Advent spüren wir wie sonst kaum im Jahr, wie sehr wir angewiesen sind auf die Liebe unserer Nächsten als tröstende und stärkende Erfahrung in schwierigen Zeiten. Jetzt wird uns auch schneller und klarer bewusst, wo es an Verständnis und Liebe mangelt im Zusammenleben: Wenn nur noch allein der eigene Lebensentwurf zählt, das Gemeinsame aber gar nichts mehr. Wenn die vielen großen und kleinen Tricksereien, die Reichtum und Erfolg für wenige bringen, die meisten anderen in Sorgen und Ängste stürzen, wie es denn weiter gehen soll über den Winter. Da wächst die Sehnsucht nach liebevoller Klarheit angesichts windelweicher Ergebnisse der Weltklimakonferenz und unverfrorener Unehrlichkeit und Korruption bei großen Sportereignissen. Der Advent ist ohne Frage eine besondere, sehnsuchtsvolle Zeit. Ich freue mich jedes Jahr darauf, sicher. Aber gleichzeitig bin ich auch nachdenklich und ein wenig traurig. Denn die Sehnsucht nach innerem und äußeren Frieden wird wohl auch in diesem Jahr unerfüllt bleiben. Und da helfen auch noch so viele Lichterketten und Weihnachtsmärkte mit Endlosbeschallung nicht. Vernebelt all dieser geschäftige Trubel nicht viel mehr die unerfüllte Sehnsucht nach Frieden und täuscht den Menschen vor, sie im Konsumrausch zu finden? Nein, der große Frieden lässt weiter auf sich warten und wird so schnell nicht erreichbar sein, nach dem, was in diesem Jahr wieder vom Zaun gebrochen worden ist. Aber das ist kein Grund, der Sehnsucht Lebewohl zu sagen. es ist höchste Zeit, dass ihr aus dem Schlaf aufwacht. Die Nacht geht zu Ende, bald bricht der Tag an. - schreibt Paulus. Sie wird sich nicht von allein erfüllen, diese Sehnsucht. Der Frieden wird nur dort einkehren, anfangen zu wachsen, wo wir etwas für ihn tun, mit unseren Möglichkeiten und Gaben, in unseren Grenzen, klar, aber mit Gottvertrauen und unzerstörbarer Hoffnung.

Gebet:
HERR unser Gott, DU allein schenkst unserer Welt Hoffnung angesichts dessen, was wir Menschen immer wieder tun, was wir uns erkaufen oder zerstören, was wir einander neiden und vorenthalten.

Barmherziger Gott, wir bitten DICH um DEINEN Geist, der uns hilft, Ängste und Vorbehalte zu überwinden und DEINEM Willen zu folgen und Liebe und Barmherzigkeit zu wagen.

HERR, unser Gott, öffne uns die Augen und weite unsere Herzen, dass wir aufmerksam und mitfühlend unsere Mitmenschen wahrnehmen und ihnen zur Seite stehen, wo auch immer sie uns brauchen.

Barmherziger Gott, stärke alle Kräfte des Friedens in unserer Welt, im Kleinen und im Großen und bleibe bei uns, wenn die Liebe bedroht ist in der Dürre der Bosheit, damit wir aufatmen und voller Vertrauen in DEINE Zukunft gehen können.

HERR, unser Gott, es ist dringend Zeit, dass DU in unsere Welt kommst, uns Mut und Kraft schenkst für den Weg DEINER Liebe, gerade jetzt in diesen Tagen des Advent und uns die Tür in DEINE Zukunft öffnest, die heute schon beginnt.

Erbarmender Gott, erhöre uns.
Amen.

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel
geheiligt werde Dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN

 

 

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Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.
Jesaja 53,4 Hebräer 12,3

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