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Andacht zum letzten Sonntag im Kirchenjahr, Ewigkeitssonntag – Gedenken der Verstorbenen

Pfr. Jörg Reichmann, 20. November 2022

Text: Johannes 6,39 (Auszug aus dem Predigttext zum Totensonntag)

Jesus Christus spricht: Der Wille dessen, der MICH gesandt hat, ist, dass ICH von all denen, die ER MIR gegeben hat, niemand verloren gehen lasse, sondern dass ICH sie an jenem letzten Tag vom Tod auferwecke. (Neue Genfer Übersetzung)

Gedanken zum Text:

Verlierer zu sein ist immer ein unangenehmes, oft beschämendes oder auch beängstigendes Gefühl. Viele Kinder mogeln lieber beim Spiel was das Zeug hält, um nur ja nicht zu verlieren. Jugendliche haben eine ganze Zeit lang unbeliebte Altersgenossen als "Loser" (englisch: Verlierer) und dann noch schärfer als "Opfer" bezeichnet. Nach der friedlichen Revolution gab es die "Wende - Verlierer", dann kamen die "Globalisierungs - Verlierer" und jetzt gibt es Kriegsverlierer auf allen Seiten und Krisenverlierer. Die Angst vor dem Verlust (des Wohlstands) treibt die Menschen auf die Straße, die Angst, "abgehängt zu werden" oder "auf der Strecke zu bleiben", also verloren zu gehen in dieser unsicheren Zeit. Niemand möchte ein Verlierer sein, nichts verlieren von dem, was er liebt, ist und besitzt. Dabei wissen wir doch eigentlich: Das Leben schwingt im Rhythmus von Neuanfang und Abschied. Eigentlich können wir gar nichts festhalten: die Kindheit und Jugend nicht, die guten Zeiten des Lebens und selbst die reifen Tage des Alters nicht. Loslassen lernen müssen wir, mit Verlusten zu leben, von klein auf und erst recht, wenn der Tod ins Leben einbricht und ein lieber Angehöriger stirbt. Da wird das Loslassen zu einer schweren Aufgabe in der Trauerzeit. Hoffnungslos bleibt am Ende jeder Versuch, diese Herausforderung allein aus eigenen Kräften bestehen zu wollen. Denn der Tod eines lieben Menschen überfordert alle, die nur sehen, was vor Augen ist. Wirklich loslassen lernen kann nur der, der auf die Liebe Gottes vertraut, die für uns durch Jesus Christus erfahrbar geworden ist. SEINEN Worten zu trauen heißt Hoffnung zu haben angesichts des Todes. Für Menschen, die IHM vertrauen, ist der Weg durch die Trauer nicht weniger schmerzvoll und anstrengend als für andere. Aber er hat den festen Grund der Liebe Gottes, der den Füßen Halt gibt und der Seele ein Licht, damit sie Schritt für Schritt weiter voran gehen können auf ihrem Lebensweg, der auch sie in Gottes Ewigkeit führen wird. Die Zukunft, auch die am Ende der Zeit, ist das Reich Gottes. Darauf vertrauen wir.

Foto: Privat (J. Reichmann)

Gedanken zum Bild:

Die prachtvoll untergehende Sonne ist ein sehr beliebtes Fotomotiv, nicht nur für Urlauber. Auch Produzenten von Trauerkarten mögen es, steht es doch in aller romantischen Schönheit symbolisch auch für den sich neigenden Tag, die vergehende Zeit und letztlich für die Vergänglichkeit selbst. In der uralten ägyptischen Religion glaubten die Menschen, die Sonne würde an jedem Abend sterben und am nächsten Morgen wiedergeboren werden. Für mich ist dieses Bild als ganzes allerdings alles andere als ein melancholisch - düsteres Sinnbild der Vergänglichkeit, wobei diese den Vordergrund des Bildes beherrscht - das dunkle Meer, undurchsichtig, gefährlich in seiner Tiefe und bedrohlich durch die Kraft seines Wassers. Sicher, als Urlauber sehen wir es meist ganz friedlich und vergessen, dass es auch ganz andere Erfahrungen mit und auf dem Meer gibt. So verwundert es nicht, dass es zum Beispiel in der Offenbarung des Johannes auch als Symbol für eine übermächtige Bedrohung des Lebens steht. Über dem dunklen Meer ein strahlender Abendhimmel, den einige kleine dunkle Wolken nicht wirklich verdunkeln können. Vieles von dem, was wir für bedenklich und besorgniserregend halten, löst sich schneller auf als wir gedacht hätten. Ein frischer Wind, eine gute Lösung, ein klärendes Gespräch und schon verzieht sich die Wolke. Strahlend und kraftvoll steht die Sonne am Himmel. Wer hineinsieht, wird auch jetzt noch geblendet, wenige Minuten vor dem Sonnenuntergang. "Gott wohnt in einem Lichte, dem keiner nahen kann..."dichtete Jochen Klepper 1938 (im evangelischen Gesangbuch Lied Nr. 379). Fast am Horizont spiegelt sich das Sonnenlicht auf dem Meerwasser, macht es hell und ein wenig davon strahlt sogar auf dem Wasser bis zum Betrachter hin. Nein, unser "Meer" ist niemals völlig dunkel. Die Liebe Gottes macht es heller, als wir es uns vorzustellen wagen. In solchen Augenblicken eines Sonnenuntergangs steht es uns vor Augen.

Gebet:

Barmherziger Gott, wir danken DIR für die Hoffnung, dass auch alle kommende Zeit im weiten Raum DEINER Liebe geborgen sein wird. Wir vertrauen darauf, dass DU vollenden wirst, was wir in DEINEM Namen beginnen.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH, nimm von unseren Seelen die Last unserer Ängste und Sorgen, befreie uns von Misstrauen, Ungeduld und Selbstüberschätzung und schenke uns den Blick für jede Kleinigkeit, die wir zu Gerechtigkeit und Frieden beitragen können. Öffne DU neue Türen, wenn wir unsere selbstgebauten Mauern für unüberwindbar halten.

Barmherziger Gott, stärek unser Vertrauen in DEINE Liebe, damit wir täglich neu zuversichtlich sein können und geduldig mit uns und unseren Mitmenschen, auch mit denen, die große Verantwortung zu tragen und richtungsweisende Entscheidungen zu fällen haben. Wandle alles, was uns gelingt in Segen und auch das, was abgebrochen ist oder vergebliche Mühe war.

HERR, unser Gott, nach den Kriegen heute schaffe DU den Frieden, in dem sich die Gegner von einst einmal wieder in die Augen sehen können. Schenke DU die Bereitschaft zur Vergebung nach der Schuld im Kleinen und im Großen, damit Leben neu und miteinander gestaltet werden kann.

Barmherziger Gott, schenke den Unzufriedenen und den Verbitterten ein dankbares und frohes Herz und den Trauernden den Trost DEINER Liebe durch Menschen, die ihnen auf ihrem schweren Weg beistehen. Den Sterbenden reiche DEINE väterliche Hand und bereite uns allen den Weg zum ewigen Leben.

Erbarmender Gott, erhöre uns.
Amen.

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel
geheiligt werde Dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
AMEN